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Rieppeleon (früher Rhampholeon)
brevicaudatus
Matschie, 1892
Terra typica: Derema, Usambara Mts, Tansania.
Rhampholeon brevicaudatus gehört zu den Erd/
Stummelschwanzchamäleons (Unterfamilie Brookesiinae= gebildet
aus den Gattungen Brookesia und Rhampholeon), deren Vorkommen
auf Madagaskar und Afrika beschränkt ist.
NEU- Änderungen in der Taxonomie:
Die Unterfamilie der BROOKESIINAE (Erd- oder Stummelschwanzchamäleons) teilt sich nun- statt wie bisher 2 Gattungen - Brookesia und Rhampholeon- in 3 Gattungen , da einige Chamäleonarten aus der ursprünglichen Gattung Rhampoleon herausgenommen- und als eigenständige (3.) Gattung Rieppeleon eingestuft wurden.
Die Gattung Rhampoleon wurde gleichzeitig in 3 Untergattungen unterteilt: Rhampholeon, Bicuspis und Rhinodigitum. Mehr darüber ist in- Systematik der Chamäleons- zu lesen
Männchen von Rieppeleon brevicaudatus
Vorkommen
Der Lebensraum von Rieppeleon brevicaudatus liegt weit
verbreitet (l. Schmidt 2002, Spawls et al. 2002 und Engel-
veröffentlicht im Reptilia Nr:48/ 2004) in den Usambara-
Udzwunge- und in den Uluguru- Bergen /Tansania, aber auch im
nördlichen Tansania bis wahrscheinlich nach Mosambik, und im
gesamten Küstenbereich des südlichen Kenias.
Laut dem Buch von P. Necas und W. Schmidt
(Stummelschwanzchamäleons 2004) ist das Verbreitungsgebiet von
Rieppeleon brevicaudatus aber sehr begrenzt- nur in den
östlichen Usambara- und Uluguru- Bergen..
Welche Version jetzt wirklich Gültigkeit besitzt, ist mir
nicht genau bekannt- aber allein die Tatsache, dass so viele
Wildfänge in den Handel gelangen, spricht für die Annahme
eines großen Besiedelungsgebietes.
Lebensraum
Rieppeleon brevicaudatus besiedelt die feuchtwarmen Regen/
Bergwälder in Küstennähe und Dickichte bis in eine Höhe von
1300 m (v. d. Meereshöhe an gemessen) Diese immergrünen und
regenreichen Gebiete bieten eine konstant hohe
Luftfeuchtigkeit, wärend die Tagestemperaturen unter dem
geschlossenen Blätterdach des Waldes ca. 25 °C erreichen und
nachts um einige Grade abfallen.
Der direkte Lebensraum der Tiere umfasst sowohl den Boden mit
der dichten Laubschicht, wie auch die Gestrüpp- und
Buschvegetation- aber auch (besonders nachts zum Schlafen)
Geäst in einigen Metern Höhe.
Beschreibung
Rieppeleon brevicaudatus erreichen eine durchschnittliche
Größe von ca. 80 mm. Davon fallen 5- 6 cm auf die KRL
(Körperrumpflänge), und 1- 2 cm auf den Stummelschwanz.
Das größte gefundene Tier erreichte eine GL (Gesamtlänge) von
94 mm (Barbour und Loveridge 1928)
Die Weibchen von Rieppeleon brevicaudatus ähneln seitlich in
ihrer Körperform stark an ein Blatt, sie sind rundlicher
geformt als die Männchen.
Die Männchen sind allgemein schmaler und länglicher geformt,
am Schwanzansatz ist die verdickte Schwanzwurzel- in der sich
die Hemipenes befinden- gut erkennbar.
Am Rücken der Tiere befindet sich ein kleiner Rückenkamm, die
Grundfärbung kann in Beige, Braun, Grau oder auch
rötlichen Tönen variiren. Ein Lateralstreifen führt von der
Temporalkante am Kopf bis zum Schwanzansatz.
Wenn die Chamäleons gestresst sind oder Balzverhalten zeigen,
erscheint am gesamten Körper der Tiere ein dünkleres
längsförmiges Streifenmuster. Die Tiere besitzen durch ihr
Verhalten und durch ihre Farbanpassung an den Lebensraum eine
ausgezeichnete Tarnfähigkeit- sie sind auch in einem gut
strukturierten Terrarium oft kaum zu entdecken.
Haltung
Auch bei diesen kleinen Arten ist der Grundgedanke betreffend
der Terrariengröße: je größer desto besser. Rieppeleon
brevicaudatus sind untereinander relativ unverträglich, sie
reagieren leicht gestresst bei gegenseitiger Wahrnahme (nicht
nur durch die Ansicht eines weiteren Chamäleons, sondern auch
durch das "Vibrations/ Körperzittern als Komunikationsform-
mehr Infos darüber weiter unten) im begrenzten Raum des
Terrariums.
Möglich ist die Haltung von einem Männchen und einem oder
mehreren Weibchen, offensichtlich gestresste Tiere müssen
getrennt werden.
Das Terrarium selbst sollte eine ausreichende Bodenfläche und
Höhe aufweisen. Ich selbst pflege meine Tiere in einem
Terrarium der Größe (Hx Lx B) 120 x 80 x 50 cm, wobei meine
Tiere im gesamten angebotenen Raum zu finden sind- also
auch die Höhe nützen.
Die Lüftungsflächen sollten nicht zu groß sein, um die
erforderliche hohe Luftfeuchtigkeit von 70- 100% herstellen
und auch halten zu können.
Ein Temperaturgefälle von unten nach oben bei tagsüber etwa
22°C bis höchstens 27°C , nachts abfallend auf 18- 20°C
Um die Temperaturen zu erreichen benutze ich in meinen
Terrarium 2 Leuchtstoffröhren (Arcadia) mit Vorschaltgeräten
und einen Wärmespot, den ich aber nur zeitweilig dazu
schalte.
Wie auch bei der Haltung anderer Reptilienarten, empfiehlt es
sich die Seiten- und Rückwand des Terrariums blickdicht zu
gestalten.
Der Bodengrund für die Erd/Stummelschwanzchamäleons sollte
aus einer 5- 7 cm dicken Substratschicht (z.B. ein Erd/
Sandgemisch) bestehen, auf die man noch ein Streusubstrat
(Rindenmulch, Korkstreu etc.) aufbringen kann. Die oberste
Schicht des Bodens sollte aber aus einer Laubschicht bestehen.
Dieses ist auch im Handel zu beziehen (z.B. Buchenlaub) aber
ich sammle diverse Blätter, die ich nach dem Trocknen ins
Terrarium einbringe.
Noch nie habe ich mir deshalb irgendwelche Schädlinge
eingeschleppt. Ein bischen Sorgfalt bei der Auswahl der
Blätter schadet allerdings nicht :), man könnte die Blätter
auch im Backrohr trocknen....
Als weitere Einrichtung des Terrariums eignen sich diverse
echte Pflanzen wie Efeutute, Ficus benjamin etc., einige Äste
(die ruhig recht dick sein können), Korkrindenstücke etc.
Je dichter und gut strukturierter das Terrarium, um so wohler
und sicherer fühlen sich auch die Chamäleons.
Die Ernährung der Tiere besteht aus kleinen Futtertieren wie
Mikroheimchen und kl. Heuschrecken, Drosophila, kleinen
Wachsmaden und Motten, Spinnen etc.
Die Insekten sollten die Maulbreite der Chamäleons nicht
wesentlich überschreiten.
Wichtig ist die zusätzliche Gabe von Vitamin und
Mineralsstoffpräparaten.
Rieppeleon brevicaudatus
Fortpflanzung
Etwa 30- 45 Tage nach erfolgter Paarung legt das Weibchen ein
Gelege von 3- 6 Eier ab.
Dafür gräbt sie eine etwa 1 bis 5 cm tiefe Eigrube in das
Substrat, die sie auch sorgfältig wieder verschließt.
Falls man das Glück hat, die Eiablage beobachten zu können,
sollte man das Gelege entnehmen und im Inkubator reifen
lassen. Die Eier sind bei der Ablage etwa 10-12 mm lang und
5mm dick.
Leider erfolgt die Eiablage oft unbemerkt, das birgt das
Risiko, dass im Terrarium verbliebene Futtertiere die Eier
anfressen, oder dass der Eiablageplatz so ungünstig gewählt
wurde (zu feucht/ zu trocken), dass die Embryos in den Eiern
absterben.
Im Idealfall schlüpfen etwa nach 3-4 Monaten die
Jungtiere.
Nach dem Schlupf haben die Jungtiere eine Größe von 15- 25
mm. Sie werden mit Drosophila und Microheimchen gefüttert und
sollten einzeln aufgezogen werden.
Nach ca.einem Jahr erreichen Rieppeleon brevicaudatus ihre
Geschlechtsreife.
Rieppeleon brevicaudatus Weibchen sind durch
Spermaspeicherung zur Vorratsbefruchtung (Amphigonia
retardata) befähigt.
Tip:
Im Handel wird Rieppeleon
brevicaudatus sehr oft als Rhampholeon kerstenii bezeichnet
und angeboten, Rieppeleon kerstenii sind aber weitaus
seltener zu beziehen. Das augenscheinlichste
Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Arten Rieppeleon
brevicaudatus und Rieppeleon kerstenii sind die fehlenden
kleinen Hautschuppen (kleines Segel) an der Kehle bei R.
kerstenii.
Besonderheiten
Verteidigungsstrategie-
Akinese
Eine erfolgreiche und meist lebenserhaltende
"Schutzstrategie" von Erd/ Stummelschwanzchamäleons, auch von
Rieppeleon brevicaudatus, ist es sich bei (vermeintliche und
tatsächlicher) Gefahr tot zu stellen. Dieses Verhalten,
ausgelöst durch einen Reflex, nennt sich Akinese.
Das betroffene Tier läßt sich einfach fallen und verharrt
einige Zeit bewegnugslos "wie tot". Das optische
Erscheinungsbild der im Akinesezustand befindlichen Chamäleons
wird angepasst- die Augen werden komplett eingezogen, die
Färbung der Chamäleons wird dunkel, schwarz, das Körpervolumen
wird auf auf wenige mm zusammen gezogen etc..
Da viele Angreifer nur lebende Tiere als Beute betrachten,
kann diese Strategie Leben retten.
Vibration als
Komunikation und aussergewöhnlich interressante
Verhaltensweise
Eine weitere
Besonderheit der Erd/ Stummelschwanzchamäleons (aber auch
einiger echten Chamäleonarten) ist das "Körperzittern". Dabei
handelt es sich um ein niedrigfrequentiertes vibrieren.
Der Zweck dieses Verhaltens ist noch nicht genau analisiert,
aber wahrscheinlich dienen die verschiedenen Vibrationenformen
der Komunikation unter den Chamäleons, da sich z.B. in dichter
Beflanzung/ Gestrüpp/ Laub etc. die Vibrationen ausbreiten und
so auch ohne Sichtkontakt in Entfernung von anderen Tieren
wahrgenommen werden können (Verhalten zur Wahrnehmung von
Kontrahenten oder von Paarungpartern, Verwendung im Balz und
Paarungsverhalten u. n. v. mehr).
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